entnommen dem katalog zur ausstellung
in der galerie „toni brechbühl“ grenchen
schweiz 1970   lucie schauer

es kommt zuweilen vor, dass ein junger künstler ganz plötzlich und über nacht bekannt wird, ohne erst die gestaffelten ausstellungshürden nehmen zu müssen, ohne beziehungen und ohne aufwendiges startkapital. was er vorzeigt, ist in seiner eigenart so ausgeprägt, dass es ohne zögern aufgenommen und als originell erkannt wird.
ein solcher besonderer fall ist gertraude zebe mit ihren schwarz-roten, runden und prallen plastikkörpern. sie haben zunächst den vorteil wirklich unverwechselbar zu sein. gertraude zebe hat so etwas wie einen markenartikel geschaffen. wer es ihr nachmacht, begeht ein plagiat. einmalig ist die kombination aus dem,stumpfen polyestermaterial dazu die grundbemalung mit den schwarzen ringeln, und sind vor allem die griffigen formen. der tastsinn wird stimuliert zu höchsten freuden. kein zweifel: diese arbeiten gehen auf archetypen zurück. sie sind nicht mensch und nicht tier, sondern etwas drittes,aus beidem gemischt in präexistenzieller einheit. man denkt aber auch an wachstum, an den durchbruch keimender spitzen aus schützenden hüllen. den assoziationen im naturbereich sind kaum grenzen gesetzt. gertraude zebes plastiken schaffen damit eine gegenwelt zum technischen.